Coaching Kolumne

Wörter, die mir auf die Nerven gehen - wertschätzend

Wertschätzend! Alles und jeder ist wertschätzend! Dieses Wort wird inflationär gebraucht. Und alles, was inflationär gebraucht wird, verliert an Bedeutung, wird beliebig. Dabei geht es doch bei der allseits erwähnten Wertschätzung darum, Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu sehen und zu würdigen. Mir scheint es aber eher so, als nähme die wertschätzende Haltung mit der Häufigkeit der Erwähnung ab. Oft habe ich den Eindruck, als verwechselten viele das Erwähnen dieses Wortes mit der Umsetzung. Die Wertschätzung erschöpft sich dann in der Ankündigung derselben. "Ich möchte meinen Mitarbeitern wert schätzend rüber bringen, dass sie das völlig anders machen müssen ". Und dann beginnt das Klagen darüber, wie unfähig und unmotiviert das Team ist. Mager wird dann eher die Frage beantwortet, was die einzelnen Mitarbeiter richtig gut machen. Aber genau diese Erkenntnis ist die Grundlage der vielbemühten Wertschätzung. Es klingt ohnehin eher nach einer sehr geschäftlichen Einschätzung eines Warenwertes. Den Wert zu schätzen sagt noch nichts darüber aus, wie hoch wir diesen Wert einschätzen.

Vielleicht können wir diesem Begriff mehr Leben einhauchen, wenn wir -ernst gemeinte- Synonyme verwenden. "Achtung", "Anerkennung" nennt der Duden. "Wohlwollen" ist mein Favorit. Es lohnt sich, darüber nach zu denken, was wir damit verbinden. Das frischt den Blick auf den "Wertgeschätzten" auf.
Und es holt dieses Wort aus der ermüdenden Endlosreihe von nachjustierten Stellschrauben, mitgenommenen Mitarbeitern, dargestellten Terminen und was es sonst noch so seltsame Wortgebilde gibt, heraus. Wie Versatzstücke werden diese Worthülsen je nach Thema hin und hergeschoben. Ein bisschen mehr Einfachheit, Direktheit und Vielfalt in der Sprache wünsche ich mir. Es ist nämlich tatsächlich ein kleiner Unterschied, ob ich meinem Mitarbeiter wohlwollend, anerkennend oder mit Achtung begegne. Über diese kleinen Nuancen nach zu denken, kostet genau die Zeit, die jeder Mitarbeiter mindestens an Aufmerksamkeit verdient.

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Wörter, die ich im Coaching liebe - eigentlich

Eigentlich. Ich liebe dieses Wort! Wenn der Klient im Coaching dieses wunderbare Wort in den Mund nimmt, bekomme ich meist Gänsehaut. Es ist der Moment, in dem der Klient plötzlich völlig klar erkennt, was er tun muss. Diese Erkenntnis kommt oft völlig unvorhergesehen, bahnt sich durch Zweifel, Widerstände und innere Zensur den Weg ans Licht. Für mich hat das etwas Magisches!
"Wissen Sie Frau Engelhard, eigentlich möchte ich...." und dann kommt es völlig geradeaus mit fester Stimme aus dem Klienten heraus. Ich mache dann eine Pause und gönne uns beiden diesen wunderbaren Moment. Sollte ich - was der Coach nicht tun soll- innerlich eine Lösung für den Klient kreiert haben, kommt dann häufig für mich noch ein zusätzlicher Effekt. Die meisten Menschen äußern Lösungen, auf die ich niemals gekommen wäre. Zum Glück, denke ich, gelingt es mir, der Versuchung zu widerstehen, meine Lösung für den Klienten zu äußern. Dann bin ich wiedermal darin bestätigt, dass jeder selbst seine Lösungen am besten kennt.
Frage ich nach dieser Pause der Erkenntnis "Und uneigentlich?" prüft mein Gegenüber die Machbarkeit der zum ersten Mal ausgesprochenen Lösung. Es ist der Durchbruch, der erste wichtige Schritt zu handeln. Eingeleitet durch dieses kleine, so harmlos wirkende Wort.
Vielleicht sollte man dem "eigentlich" mehr Beachtung schenken. Auch bei sich selbst. Dieses Wort klingt so schön unverbindlich und ermutigt uns dazu auszusprechen, was wir wirklich denken und wollen. Natürlich sollten wir das auch ohne diesen kleinen Trick schaffen - eigentlich.

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Fragen Sie doch einfach mal... Wie Sie Mitarbeiter motivieren

Gute Frage! Dumme Frage! Keine Frage!
Fragen ist für uns meist mit dem Zustand der Unkenntnis, ja sogar Hilflosigkeit verbunden. Wer kennt das nicht: Wir fragen einen netten Mitmenschen verzweifelt nach dem Weg und versuchen uns in unserem löchrigen Gehirn Abzweigungen, markante Merkmale ("Da ist an der Ecke ein Buchladen") und rechts links zu merken ohne die geringste Hoffnung, tatsächlich pünktlich anzukommen. Oder der Herr am Servicetelefon versucht unser Computerproblem mit Fachbegriffen zu lösen, deren Bedeutung uns noch rätselhafter als das vorliegende Problem ist. Da beherzt zu fragen, erfordert Mut und Selbstbewusstsein. Wissen wir doch, dass unsere Ahnungslosigkeit und unser Desinteresse diesen Dingen gegenüber alles andere als zeitgemäß ist. Kein Wunder also, dass wir nun andererseits im Zustand der Überlegenheit lieber Anweisungen geben als zu fragen. Da können wir einmal sagen, wo es -im wahrsten Sinne des Wortes- langgeht. Blöd nur, dass die Angewiesenen einfach nicht begreifen wollen, dass der vorgeschriebene Weg der beste ist!
Das ist dann der Klassiker im Coaching. Wie bringe ich meinen Mitarbeiter dazu, dass er seine ganze Kraft und Leidenschaft zum Erreichen des Zieles einbringt?
Meine erste Frage lautet dann meistens: Haben Sie Ihren Mitarbeiter mal gefragt? Staunen - Kopfschütteln - Nachdenken, dann die Antwort: Nein, ich muss doch die Vorgaben machen!
Das stimmt natürlich schon. Zumindest muss der Vorgesetzte die Ziele vorgeben. Wie man die erreicht, wissen die Mitarbeiter selbst manchmal sogar besser. Schließlich sind sie die Spezialisten in ihrem Fach. Diesen Schatz gilt es zu heben. Also fragen Sie doch einfach mal, welche Ideen Ihre Mitarbeiter haben und vor allem, wie sie sich ganz persönlich zum Erreichen des Zieles einsetzen wollen.
Das hat mehrere Vorteile. Sie bekommen 50% mehr Lösungsideen. Sie tragen nicht allein die Last, die beste Lösung zu finden. Und sie geben ihren Mitarbeitern das Gefühl, gebraucht zu werden. Das wirkt oft Wunder. Eigene Ideen setzen wir mit besonderem Ehrgeiz um. Wer will schon, dass der eigene Vorschlag scheitert? Und geht etwas schief, werden nicht sofort die anderen verantwortlich gemacht.
Wer fragt, ist nicht dumm. Wer fragt, erhält Antworten.

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Präsentation: Innere Haltung kommt vor äußerer Haltung

Tipps! Tricks! Kniffe!
Das ist es, was Klienten meist von mir erwarten, wenn sie an ihrer persönlichen Präsentation arbeiten wollen. Meist kommt noch die Frage:"Was haben Sie denn dazu für mich in Ihrem Werkzeugkasten ?" Sorry, ich möchte wirklich niemandem auf die Füße treten, aber das Wort "Werkzeugkoffer" löst bei mir Unwillen aus. Das hört sich ja geradezu so an, als genügten "Werkzeuge" und Gebrauchsanweisung, um die Selbstpräsentation perfekt zum Laufen zu bringen.Und genau das ist es eben nicht.
Zu einer überzeugenden Selbstpräsentation gehört zunächst eine klare innere Haltung. Egal ob Meeting,Zweiergespräch oder ein Vortrag vor Publikum - ich muss mir vorher folgende Fragen beantworten: Was ist mein Ziel in dieser Kommunikation? Welche Rolle habe ich? Welche die anderen? Was muss hier auf jeden Fall passieren? Was darf auf keinen Fall passieren?
Ein Beispiel: Meine Klientin möchte in einem Meeting ein Konzept vorstellen. Als Ziel nennt sie, ihr Konzept überzeugend rüber zu bringen. Und dafür will sie von mir ein paar "Kniffe" der erfolgreichen Selbstpräsentation. Inhaltlich hat sie ihr Konzept perfekt im Griff. Sie ist dennoch nervös. Was es für Mittel gegen die Nervosität gäbe? Sorge mache ihr, dass der Chef ihr häufig vorwerfe, sie spiele ihre Kollegin "an die Wand". Wenn sie ihr Konzept durchbringen will, braucht sie nicht nur einen überzeugenden Inhalt, sondern auch das Wohlwollen des Chefs. Sie korrigiert jetzt ihr Ziel für das Meeting: Sie will zeigen, dass sie die Kollegin bei ihrem sehr guten Konzept einbezogen hat. Jetzt liegt ihr Ziel auf der Beziehungsebene.
Meiner Klientin wird klar, dass ein paar Tricks nicht helfen werden. Sie muss sich innerlich positionieren. Sie muss eine Strategie entwickeln.
Wir bestimmen die verschiedenenen Rollen der Teilnehmer im Meeting. Wir visualisieren mit Karten, wer mit wem in welcher Beziehung steht, wer welche Interessen verfolgt und wie sich die Teilnehmer vermutlich verhalten werden. Das Wichtigste: Wie kann meine Klientin das nutzen? Sie überlegt, was in diesem Beziehungsgefüge passieren muss, damit sie ihr Konzept erfolgreich durchbringt und dabei kooperativ mit Ihrer Kolllegin umgeht. Ihr wird klar, dass sie die Weichen dafür schon vor dem Meeting stellen muss. Sie entwickelt dafür konkrete Schritte.
Jetzt ist aus der unbestimmten Angst, den Chef zu verärgern das konkrete Ziel geworden, die Kollegin mit ein zu beziehen und dennoch klar zu machen, dass sie das Konzept entwickelt hat. Durch diese Klarheit und die Entwicklung der konkreten Schritte ist das Thema Nervosität fast völlig in den Hintergrund gerückt. Sie konzentriert sich jetzt nicht auf ihre Ängste, sondern auf ihr Ziel. Sie sagt, sie habe jetzt sogar richtig Lust auf das Meeting bekommen.
Mit dieser Zuversicht und Energie können wir jetzt in der nächsten Sitzung viel leichter an der Feinabstimmung der Präsentation arbeiten. Sie hat jetzt ein Bild von ihrer Rolle und sich selbst. Diese innere Haltung in eine äußere Haltung zu übersetzen, fühlt sich fast wie die Kür nach der Pflicht an.

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Man sollte, man muss.. Wer ist eigentlich "Man" ?

Klient: "Ich muss meine Ziele geplanter angehen."
Coach: "Was wäre denn anders, wenn Sie geplanter an Ihre Ziele heran gingen?"
Klient: "Weiß nicht. Aber es ist doch besser, wenn man geplant an die Dinge heran geht !"
Coach: "Besser für wen?"
Klient: "Na für mich. Dann würde ich meine Ziele besser erreichen."
Coach: "Erreichen Sie Ihre Ziele im Moment nicht?"
Klient: "Doch."
Eine Gespensterdiskussion. Doch welches Gespenst ist das?
Der Klient hat zunächst gar kein Problem. Er ist zufrieden mit seinen Ergebnissen. Und kommt gut damit zurecht. Doch zufrieden mit sich selbst ist er nicht. Denn da gibt es diesen "man". Man sollte, man muss....  Es hagelt Kritik, was ",man" alles anders, sprich besser, machen sollte. Keiner weiß, wer dieser "man" ist. Dafür räumen wir ihm erstaunlich viel Raum ein. Nicht wir bemessen unser Handeln, sondern "man" bemisst es.
Höchste Zeit, das Gespenst einmal ans Licht zu holen! Im Coaching gibt es ein wunderbares Instrument namens "Einflußrad". Es ermöglicht dem Klienten, systematisch zu schauen, welche Menschen seine Werte und sein Handeln nachhaltig beeinflusst haben und es auch noch tun. Wer sind diese Menschen? Sind sie mir ähnlich? Welche Botschaften hinterlassen Sie bei mir? Wie prägen sie meine Vorstellungen von mir selbst und vom Leben? Wie sehr beeinflussen sie mein Handeln?
Natürlich denken wir, all dies bereits zu wissen. Aber meist ist es mehr eine Ahnung als ein klares Bild. Und so kommt es im Coaching nicht selten zu Erstaunen darüber, wie nachhaltig wir von manchen Menschen in unserem Leben geleitet werden. Sogar, wenn diejenigen längst wieder aus unserem Leben verschwunden sind. Sie existieren noch immer in unserem Kopf und in unserem Herzen. S i e  sind "man", ob einzeln oder in konzertierter Aufstellung.
Wenn wir darum wissen, ergibt sich die großartige Gelegenheit, eine Entscheidung für unser Leben zu treffen.
Wir können entscheiden, welche Botschaften hilfreich und daher bedenkenswert für uns sind. Wir entscheiden, was wir aus unserem Kopf und unserem Herzen verbannen wollen, weil es uns schadet. Und wir entscheiden, welche "alten" Werte für uns noch passen und welche "neuen" Werte dazu gekommen sind.
Dabei müssen wir uns keineswegs in menschliche Konflikte begeben. Unser Vater darf gern weiterhin der Überzeugung sein, dass "man" nur mit harter Arbeit und Mühe im Leben glücklich wird. Lassen wir es ihm! Falls wir aber Lebensfreude und Freizeit für mindestens genauso wichtig halten, müssen wir diese Werte selbstbewusst und konsequent für uns reklamieren und leben.
Und wenn Sie das alte Gespenst wieder aufsucht und daran erinnert, was "man" alles zu tun hat- spucken Sie ihm mit einem Lächeln vor die Füße!
Klingt einfach. Ist es auch. Probieren Sie es mal aus!

Ihre

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Endlich entschieden und trotzdem unglücklich

Endlich die Entscheidung gefällt! Das wochenlange Grübeln hat ein Ende. Aufatmen ist angesagt. Wirklich? Schon beginnen sie uns zu piesaken - erst ganz zart, dann immer lauter: die Zweifel. War die Entscheidung richtig? Was, wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt? Was, wenn das Ganze zur Pleite wird? Fassungslos müssen wir fest stellen, dass wir uns kein bisschen besser fühlen als vor der Entscheidung. Wir sind im Gegenteil sogar wie gelähmt. Aber das können wir jetzt wirklich niemandem erzählen. Ewig haben wir mit Freunden oder Partner das Für und Wider erwogen und deren Geduld aufs Ärgste strapaziert. Mit den neuerlichen Zweifeln wagen wir niemanden mehr zu konfrontieren, in der Hoffnung, die würden sich irgendwann in Luft auflösen. Tun sie aber nicht. Es sei denn, wir schenken ihnen Gehör. Diese Zweifel sind nämlich nichts anderes als die zaghafte Seite unserer meist zweigeteilten Seele. Haben wir den Aufbruch gewagt, ist sie beleidigt ob der verwegenen Entscheidung. Sie beginnt uns zu ärgern mit Vorbehalten, Warnungen oder gar Ängsten. Erst wenn wir unsere zaghafte Seite liebevoll würdigen, ihr zuhören und ihr versichern, dass wir auch künftig keineswegs auf sie verzichten wollen, wird sie sich besänftigen lassen. Im Coaching lassen wir sie buchstäblich "zur Tür herein". Wir lassen sie Platz nehmen. Wir schauen sie uns genauer an. Wir geben ihr einen Namen. Und wir hören uns in Ruhe an, was sie uns zu sagen hat. Was dann folgt, ist sehr unterschiedlich. Je nachdem, was wir brauchen. Entweder wir bitten sie darum, uns immer wieder zu erinnern, dass wir etwas anders tun müssen. Oder wir bitten sie, uns nun eine Weile in Ruhe zu lassen, weil sie uns zuviel Kraft kostet.
Das Wichtigste daran ist sowieso, dass wir uns dieser Seite unserer Seele bewusst stellen, anstatt sie zu bekämpfen. Aus der drohenden Furie kann so eine sanfte Freundin werden, die uns ab und zu klug berät, aber nicht mehr ängstigt.

Anke Engelhard

Frauen haben einfach Glück

Glück gehabt. Gerade nochmal geschafft. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen. Das sind die Begründungen, die viele Frauen für ihren beruflichen Erfolg liefern. Dass ihr Erfolg auf Leistung beruht, das wollen oder können sie einfach nicht glauben. Mehr noch, Frauen sind oft davon überzeugt, dass sie nicht gut genug im Job sind und ganz bestimmt demnächst "auffliegen". Von außen sieht man ihnen ihre Unsicherheit nicht an. Das sind keine verängstigten, gebeugten, verhuschten Wesen. Im Gegenteil. Gerade weil diese Frauen so tiefe Selbstzweifel in sich tragen, haben sie hervorragende Tarnungen aufgebaut. Das reicht von betonter Fröhlichkeit, über extreme Hilfsbereitschaft bis hin zu kühler Arroganz. Und sie sind fleißig. Sehr fleißig sogar! Weil sie ihren Fähigkeiten nicht trauen, bereiten sie sich gewissenhaft und umfangreich auf jede Aufgabe vor. Wo eine kurze Vorbereitung für ein Meeting völlig ausreichen würde, könnten diese Frauen ohne Mühe eine Doktorarbeit zum Thema schreiben. Die Folgen liegen auf der Hand. Zuviel Aufwand, keine Atempause und irgendwann die totale Erschöpfung. Dieser Kreislauf wiederholt sich immer wieder. Das ist einerseits bedauerlich, bietet aber andererseits die Chance, durch Coaching eine Unterbrechung diese Kreislaufs zu ermöglichen. Im Coaching kann ein sog. Regelkreis aufgezeigt werden. Die Klientin beschreibt ganz genau, was sie an welcher Stelle immer wieder tut und dabei denkt. So wird ein immer wiederkehrendes Handlungs-und Denkmuster sichtbar gemacht. Schnell zeigt sich, dass es bei jedem Regelkreis mehrere Stellen gibt, an denen man sich leicht auch ganz anders verhalten und somit den unheilvollen Kreislauf unterbrechen könnte. Das Verblüffende daran ist, dass es oft nur ganz kleiner Veränderungen im eigenen Verhalten bedarf, um die Weichen anders zu stellen.Oft gilt tatsächlich: kleine Ursache - große Wirkung.

Anke Engelhard

Keine Angst vor der Angst

Herzklopfen. Feuchte Hände. Magendrücken. Es ist die Angst zu versagen, die viele Menschen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit treu begleitet. Irgendwann halten Sie es nicht mehr aus. Dann gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten. Betablocker vom Arzt oder der Angst ins Auge blicken. Leider wählen die meisten Betablocker, auch wenn Sie ahnen, dass das keine dauerhafte Lösung ist. Doch der Angst ins Auge zu blicken, scheint den meisten noch viel schlimmer. Ist es doch die Angst, der es auf jeden Fall zu entfliehen gilt. Verständlich ist dieser Wunsch schon, aber es lohnt sich, sich mit diesem intensiven Gefühl zu beschäftigen. Es klingt paradox: häufig haben Angst- oder Panikgefühle auch einen Nutzen. Nicht umsonst hegen und pflegen die Besitzer diese Gefühle jahrelang. Angstgefühle hindern den Ängstlichen daran, Verantwortung zu übernehmen, unbescheiden zu werden, in eine Führungsrolle zu wachsen. Besonders Frauen vermeiden unbewusst mit ihrer Angst Rollen, die sie sich nicht zugestehen. Und sie gehen Konkurrenzsituationen aus dem Weg. Wer Angst zeigt, hofft darauf, dass ihm keiner was tut.

Alles ok, könnte man denken. Wer keine Verantwortung will, braucht sie auch nicht zu haben. Aber warum geschieht das über den Umweg der Angst?

Dieses bedrohliche und mitunter zum Zusammenbruch führende Gefühl hat selten damit zu tun, dass die Betroffenen tatsächlich im Job versagen. Häufig trifft es gerade gewissenhafte, leistungsstarke und kreative Menschen. Im Coaching meldet sich dann auch verblüffend schnell neben der bescheidenen, ängstlichen eine ehrgeizige, fordernde Stimme.

"Ich will Erfolg. Ich will dieses Gefühl der Stärke geniessen. Ich will Einfluß. Ich will Macht." Sich diesen Wunsch einzugestehen, fällt aus den verschiedensten Gründen gerade Frauen nicht leicht.

In dieser Situation kann es hilfreich sein, im Coaching die verschiedenen "inneren Stimmen" zu identifizieren, für sich selbst zu prüfen und zu sortieren. Im günstigen Falle kann man einige davon regelrecht aussortieren. Manche innere Stimme oder Überzeugung folgt noch alten Regeln, die zwar in der Jugend galten, aber heute nicht mehr in unser Leben passen. Auch kultivieren wir Werte aus unserer Erziehung, die wir selbst nie auf Gültigkeit überprüft haben. Hier aufzuräumen, schafft tatsächlich mehr inneren Raum für unsere eigenen Wünsche und Werte. Gelingt es uns, danach zu leben, verliert die Angst ihre Funktion und verschwindet.

Das geht allerdings nicht von heute auf morgen. Die Angst wird vermutlich noch eine Weile ein treuer Begleiter bleiben. Hier ist Geduld gefragt und die Erkenntnis, dass unser Körper und unser Unterbewusstsein offenbar perfekt funktionieren. Denn nur durch ihre Signale haben wir die Chance zu erkennen, dass wir etwas in unserem Leben ändern müssen.

Anke Engelhard

Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen,
die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen.
Vielleicht ist alles Schreckliche im Grunde das Hilflose,
das von uns Hilfe will.
Rainer Maria Rilke

Beruflicher Fingerabdruck "überführt" Ihre Fähigkeiten

Gekündigt. Geschasst. Gefeuert. Wie auch immer man es nennt, für den Betroffenen ist es eine Katastrophe. Existenzängste und das Gefühl, ein Versager zu sein, stellen sich automatisch ein. Und dann die Furcht, aus dem sozialen Gefüge von Familie und Freunden zu fliegen. Ein Neuanfang scheint schwer, die Lage aussichtslos.
Dass darin auch eine Chance liegt, klingt wie Hohn. Ist aber wahr. Im Coaching taucht bei Betroffenen nach der ersten Depression häufig auch Erleichterung auf. Eigentlich habe man die Kündigung schon kommen sehen. Eigentlich sei man am Ende immer unglücklicher und ängstlicher geworden. Der Körper habe längst rebelliert, an Schlaf sei in der Nacht nicht zu denken.

Wer sich das eingesteht, hat den ersten Schritt zum Neuanfang schon getan. Dass man im Job nicht genügt, hat selten mit mangelnden Fähigkeiten zu tun, sondern damit, dass man nicht das tut, was man wirklich kann. Viele Chefs können ihre Mitarbeiter nicht richtig einschätzen. Sie erkennen nicht, wenn einer am falschen Platz sitzt. 
Dem Entlassenen nützt diese Erkenntnis wenig. Aber er sollte die Chance nutzen, herauszufinden, was er wirklich will. Dabei ist eine komplette Umorientierung gar nicht nötig. Mehr als uns bewusst ist, haben wir im Laufe unseres beruflichen Lebens Kenntnisse und Erfahrungen nicht nur erworben, sondern eine ganz spezielle Kombination dieser Stärken entwickelt. Ein "beruflicher Fingerabdruck" sozusagen. Dazu gehört auch privat angeeignetes Know-how. Zum Beispiel durch ein Hobby. Denn hier offenbaren sich die wahren Leidenschaften und Stärken noch viel mehr. Nicht selten herrscht im Coaching großes Staunen darüber, was man eigentlich alles zu bieten hat. Wenn es gelingt, diesen speziellen "Fingerabdruck" zu erkennen, kann viel leichter nach dem passenden Job "gefahndet" werden. Die Lust auf den Neustart steigt. Der Bewerber ist -im wahrsten Sinne des Wortes- selbstbewusster. 
Eine Garantie für den Erfolg ist das nicht. Aber ein wichtiger Schritt dorthin.

Anke Engelhard